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Westschweden
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Über Käsehobel und Schärenglück – Drei schöne Tage in Westschweden

Thomas Reimann und seine Frau besuchten im Frühsommer für einige Tage Göteborg und Westschweden. Lesen Sie hier seinen Reisebericht.

Am späten Vormittag landen wir nach knapp einer Stunde Flugzeit auf dem Göteborger Stadtflughafen. Schon der Anflug ist ein Ereignis, sieht man doch aus dem Flugzeugfenster die ersten Schären vor Göteborg in der Sonne glitzern - wie kleine, blankgeschliffene Kieselsteine, hier und da etwas bewaldet, liegen die Felsinseln vor dem Eingang zum Göta-Älv. Und genau da wollen wir hin – nach Göteborg.
     
In Göteborg ist erst einmal Bummeln und Entdecken angesagt. Mein Tipp: Nehmen Sie sich für diese Stadt mindestens einen Tag und einen Abend Zeit. Göteborg ist eine magische Stadt am Wasser, mit einer ganz eigenen, leichten, heiteren, fast mediterranen Atmosphäre. Und dazu von Mai bis spät in den September hinein mit einem ganz eigentümlichen Licht, das man wohl nur hier im Norden so erleben kann.
 
Göteborg, diese große kleine Stadt am Göta-Älv hat einen ganz speziellen Charme, dem man sich als Besucher nicht entziehen kann. Ein Bummel runter zum romantischen Hafen Lilla Bommen, gemütliches Flanieren auf den großen Avenuen im Herzen der Stadt oder ein wenig Shopping in der Passage Nordstan - überall gibt es Neues zu entdecken und überall laden kleine Cafes zum Verweilen ein. Bei Kaffee und Bullar (so heißen hier die kleinen süßen Kuchenstücke) schauen wir vom Cafe am Hafen dem An- und Ablegen der kleinen Fähren, die hinaus zu den Schären fahren,  zu.

 

Unser Hotel liegt im Herzen der City an der Göteborger Prachtstrasse Avenyn. Das Elite Park Avenue ist ein Vier-Sterne-Haus mit exzellentem Preis/Leistungsverhältnis (Doppelzimmer ab 44 €/Person) und bietet freundliche skandinavische Gastlichkeit, geschmackvoll möblierte Zimmer und eine hervorragende Küche. Wir genießen am Abend das aktuelle Menue-Angebot im hoteleigenen Restaurant und entscheiden uns für eine frische Suppe, leckeren Fisch (Kabeljau) und ein sehr gelungenes Überraschungs-Dessert. Mehr verraten wir nicht, lassen Sie sich doch bei Ihrem nächsten Göteborg-Besuch auch überraschen.

Am nächsten Vormittag gehen wir an „Bord“. Eine kleine Rundfahrt mit einem „Paddanboot“ steht auf dem Programm. Die Paddanboote sind offene Schiffe ohne Dach, die auf dem ehemaligen Göteborger Stadtgraben eine schwimmende Stadtführung anbieten. Warum die Schiffe ohne Dach oder Kajüte fahren, das erklärt uns unsere reizende Schiffsbegleiterin Karin, die die Gäste fachkundig und sehr kurzweilig mit den schönen Bauten und Parks am Ufer bekannt macht: „ Wir fahren unter zwei Brücken hindurch, die so niedrig sind, dass die Fahrgäste sich sogar vor Ihren Sitzplatz hocken müssen, damit sie nicht mit den Köpfen an die Brücke stoßen.“ Steuermann Mikael manövriert das Boot sicher und souverän durch die kniffligen Brückenpassagen. Die beiden niedrigsten Brücken tragen denn auch zu Recht die beziehungsreichen Namen „Käsehobel“ und „Haarschneider“. Wir kauern uns kurz auf den Schiffsboden und weiter geht die Tour mit einem kleinen Ausflug auf den Göta Älv. Hier schauen wir auf Werftanlagen und Fähranleger und schnuppern ein wenig die würzige Seeluft.

 

Nach der Schiffstour steht schon unser Mietwagen am Bahnhof bereit und wir fahren Richtung Norden an der Küste entlang. Unser Ziel: die idyllische Schäreninsel Klädesholmen. Um uns herum eine Landschaft wie aus einem schwedischen Bilderbuch. Über diverse Brücken und Inselchen führt uns der Weg direkt in den Schärengarten. Überall blicken wir auf kleinere und größere Wasserflächen, Segelboote, die an blanken Schärenfelsen vor Anker liegen und sattgrüne Weideflächen, auf denen friedliche schwedische Kühe in der Sonne dösen. Nach einer knappen Stunde Autofahrt erreichen wir unser Ziel: Klädesholmen. Dort sind wir mit Susanna und Patrick Hermansson verabredet. Sie betreiben hier ein ganz besonderes Hotel. Das „Salt & Sill“, was so viel heißt, wie „Salz und Hering“. Es ist das erste schwimmende Hotel in Schweden.

In Klädesholmen angekommen, parken wir den Wagen direkt am kleinen Hafen. Ein paar Schritte auf die Pier und schon sind wir im Hotelrestaurant und an der Rezeption. Gleich nebenan liegt fest vertäut ein Anleger, auf dem kleine, miteinander verbundene, doppelstöckige Häuschen aus Holz stehen. Mit einem freundlichen und herzlichen „Hej“ werden wir von Susanna begrüßt. Wir bekommen Zimmer Nummer 1 in Haus Nummer 1. Alle Zimmer im „Salt & Sill“ sind im typischen Schärenstil mit reichlich Holz ausgekleidet. Gemütlich eingerichtet mit einem komfortablen Bett, einem großen Bad und einem fantastischen Blick auf die gegenüberliegenden Schären - hier kann man es aushalten. Wir leihen uns Räder und machen erst einmal eine kleine Tour über die Insel Klädesholmen und in den benachbarten Hafenort Rönnäng. Hier entdecken wir eine schöne Badestelle an den Paradisskären, sogar mit Sandstrand. Wir sonnen uns auf den warmen Felsen, baden ein wenig und schauen den Segelbooten zu, die sich im Gewirr der Schären verlieren. Wir genießen den sonnigen Nachmittag und lassen uns die mitgebrachte Filmjölk, eine Art Buttermilch, mit frischen Blaubeeren schmecken - ein Gedicht.

Am späten Nachmittag kehren wir zu unserem schwimmenden Hotel zurück, setzen uns direkt vor unserem Zimmer auf die bereitgestellten Liegen, lesen ein wenig, schauen aufs Wasser und die großartige Schärenlandschaft, wir fühlen uns sehr wohl und sehr entspannt…

 

Mittlerweile ist nebenan auf der Restaurantterrasse mehr Bewegung. Die ersten Segel- und Motorbootskipper legen direkt vor dem Restaurantgebäude an und lassen sich ihr Abendessen servieren. Wir schließen uns an und entscheiden uns für ein traditionelles Fischgericht. Natürlich mit Sill (Hering) und weiteren Leckereien. Es schmeckt ganz ausgezeichnet, dazu wird ein exzellenter Wein ausgeschenkt. Lange noch sitzen wir nach dem Essen auf der Terrasse, schauen auf das jetzt spiegelglatte Wasser und genießen die immer noch wärmenden Strahlen der Abendsonne. Was kann es Schöneres geben? Vielleicht eine Nacht an Bord des schwimmenden Hotelzimmers? Leise plätschert das Wasser am Anleger, durch das geöffnete Fenster fächelt eine milde, leicht salzhaltige Nachtbrise. Wir träumen von der See, Filmjölk mit Blaubeeren und genießen unser Schärenglück.

Am nächsten Morgen geht es zurück nach Göteborg. Wir geben den Mietwagen am Flughafen ab und steigen in unsere Maschine Richtung Deutschland. Kaum sind wir in der Luft, schweift der Blick ein letztes Mal über Göteborg, die Küste und die Schären. Keine Frage - wir kommen wieder.